In Problemen stecken und gleichzeitig erblühen

Drogentherapie ist Suchttherapie

Sucht ist, wenn einer trotz erkannten mehrheitlichen Nachteilen eine Handlungsweise laufend wiederholt.

Der Süchtige hat schon erprobt, dass er seine Ziele nicht unmittelbar erreichen kann.
Was ihm bleibt, ist aus weiter Distanz viele Voraussetzungen so zu regulieren, dass er erfolgreich wird.
(Vorstellung des Kausalität-Gewebes, nicht einer Ursache-Wirkung)

Die Aufmerksamkeit solle auf das Ziel, nicht Versagen gelenkt werden ((Selbst-)Hypnose). Gedanken wecken verwandte, dh Gedanken an Erfolg die Gedanken an die zugehörigen Voraussetzungen; das Hirn funktioniert assoziativ.

Substanz-Abhängigkeit ist eine Form von Sucht.
Sie kann nur überwunden werden durch Vermeiden von Versuchungs-Situationen, ev radikaler Neuwahl eines neuen Lebensraums. Gibt es einen erstrebenswerten?

Um die Aufmerksamkeit auf neue Lebensziele zu richten, Lebensaufgaben, Lebenssinn ist es günstig die Entzugssymptome mittels Substitution zu vermeiden, die den Süchtigen verführen, sich die Sucht-Substanz von neuem einzuverleiben.
Nur unmittelbar unschädliche Substanzen sollen substituiert werden, zB Opiate, allenfalls Benzodiazepin. Alkohol uä schädigen direkt, sind deshalb ungeeignet. Legal gibt es in der Schweiz nur Opiatsubstitutionsprogramme; sie sind hoch strukturiert mit kantonal-ärztliche Bewilligungen, meist gebunden an Fortbildungen der Aerzte, Substitutions-Verträge, etc. Benzodiazepin-Substitution ist streng genommen illegal und könnte geahndet werden. Gelegentlich machen diese offensichtlich Sinn und sollen dann in gleicher Weise in die Behandlungsverträge eingeschlossen werden. Diese Abhängigkeit ist oft mindestens so bedeutsam wie die Opiatabhängikeit.

Langwirksame Substitute erlauben besser, Entzugssymptome zu vermeiden und die Aufmerksamkeit von der Substanz hin zu Lebensaufgaben zu verlagern. Also Methadon statt Heroin, Diazepam statt Midazolam. Heroin- nur falls das Methadonprogramm versagt.

Maximale hohe Dosen bis Nebenkonsum verschwunden ist, dh 100mg; höher hat keinen Sinn. Wenn ein Patient schneller metabolisiert muss die Abgabefrequenz erhöht werden, nicht die Dosis.

Erst wenn der Nebenkonsum überwunden ist, ist ein Abbau sinnvoll. Das dauert oft Monate ja Jahre, in denen der Patient hingelenkt werden soll zu interessanteren Lebensinhalten.

Wenn Benzos mitsubstituiert werden, erst diese halblegale Substitution abbauen. Falls der Patient eine Sedation wünscht ist das Neuroleptikum Quetiapin viel geeigneter, auch zum schlafen; oft können Benzos schlagartig durch Quetiapin ersetzt werden. Patienten empfinden Quetiapin als angenehm im Gegensatz zu den alten Neuroleptika.

Abbau: wöchentlich 10% weniger, von 100 mg Methadon auf 90 entspricht von 20 auf 18mg. Von 100 bis 30 bleibt das gedämpfte Welt Erleben ziemlich gleich.
Unter 20mg werden die Patienten wacher, riechen das Kochen der Nachbarn und das Singen der Vögel eher wieder. Sie werden verletzlicher. Dies muss erörtert werden. Es braucht neue Strategien, die Welt zu ertragen, sich kultiviert zu wehren, Frust ertragen zu können. etc. Manchmal muss in diesem Bereich sehr, sehr vorsichtig weiterreduziert werden.

Es ist aber sinnvoll dahin zu gelangen, damit ein Patient auch mithilfe des Therapeuten diese neu nötigen Fähigkeiten einüben kann.
Schliesslich benötigen wir die unangenehmen Gefühle ja auch, um weiterleben zu können.

Praxis des Methadonprogramms

Alternative zu Methadon: das 5x teurere Buprenorphin. Die Grundsätze bleiben sich gleich.

  • Aufnehmen der Suchtsituation und Therapie-Wünsche
    • psychisch
    • körperlich (Suchtkomplikationen)
    • sozial (dh inkl materieller Lebensbedingungen, Beziehungsgeflecht etc)
  • Nachweis der Opiat-Abhängigkeit
  • Substitutions-Verträge, Einholen einer kantonsärztlichen Bewilligung
  • Aufsättigen, maximal 30mg bei der ersten Einnahme, tägliches od ev sogar halbtägliches Dosis Steigern resp Ergänzen in 10-20mg Schritten bis keine Entzugssymptome mehr vorliegen. Dosen über 100mg sind sinnlos.
  • Nachweis der Abstinenz
  • Abbau wöchentlich minus 10% solange unter regelmässigem Erkunden der zugrundeliegenden psychischen Störung und Psychotherapie
    • Abbau-Stopp, wenn diese die psychische Stabilität bedroht
    • Das therapeutische Hauptinteresse soll sich auf diese zugrundeliegende Störung richten.
    • Antidepressiva können die Erfolgs-Chancen ein wenig verbessern.

Cave: Benzodiazepine als Entzugshilfe erweisen sich in der Praxis als untauglich. Wenn auch diese substituiert werden sollten, diese vor den Opiaten abbauen.